Nachruf

 

Ein Leben für Bücher, Literatur und Theater:
Willy Jäggi

 

Nach der Matur 1945 am damaligen MNG, einem Studium in Germanistik und Kunstgeschichte an der hiesigen Universität und einer kurzen Zeit als Lektor richtete Willy Jäggi sein berufliches Leben auf zwei seiner Vorlieben aus: Verlagswesen und Theater. Er verfasste bis 1961 unzählige Theaterkritiken und entdeckte mit der Leitung der Buchhandlung Karger Libri eine neue Leidenschaft für den Buchhandel. Während zweier Amtsperioden präsidierte er den Basler Buchhändler- und Verlegerverein, war im Vorstand des gleichnamigen schweizerischen Vereins und Mitbegründer der Buchhändler- und Verlegerschule am KV, wo er auch unterrichtete und deren Fachkommission leitete. Nach kurzer Zeit als Geschäftsführer der Buchhandlung Helbing & Lichtenhahn wurde er 1971 Mitinhaber dieser Firma.

 

1974 machte er sich selbständig und gründete die Buchhandlung W. Jäggi AG. Ganz seinen besonderen Anliegen folgend gründete er auch eine Stiftung mit dem Zweck der Verleihung des Jäggi-Preises an Persönlichkeiten oder Institutionen, die sich in besonderer Weise um das Buch verdient gemacht haben. Der Erfolg der Buchhandlung an der Freien Strasse führte – nachdem mittlerweile sein Sohn Ulrich die Geschäftsleitung übernommen hatte – zu deren Vergrösserung mit Umbau bis in die Falknerstrasse und zur Gründung von Filialen im grenznahen Deutschland und in Bern. Im Jahre 2000 wurde die Firma an die Thalia Gruppe verkauft, und im gleichen Jahr publizierte Willy Jäggi seine Memoiren.

 

Neben einem reichen Familienleben mit seiner Frau Pia und vier Kindern sowie seiner beruflichen Tätigkeit fand Willy Jäggi auch immer wieder Zeit für die Förderung kultureller und verlegerischer Anliegen: Er wirkte beim Aufbau der Schweizerischen Theaterzeitung mit, war Mitbegründer des Tabakkollegiums und in diesem Zusammenhang intensiv an „Basel tanzt“ beteiligt, gehörte dem Beirat der ART Basel an, engagierte sich bei der Gründung der Regionalen Interessen Gemeinschaft Theater Basel RIG und präsidierte mitunter verschiedene Organisationen der Buch- und Verlagsbranche. Seine geistreiche und auch witzige Art war überall geschätzt.

 

Doch auch Schicksalsschläge blieben ihm nicht erspart: 1996 hatte er sich einer schweren Operation zu unterziehen, die auch zu einer teilweisen halbseitigen Lähmung führte. Im Jahr 2001 verstarb seine Gattin, die ihm auch geschäftlich engste Partnerin war, nach kurzer schwerer Krankheit. In seinen letzten Lebensjahren war er, umsorgt von seiner Familie, einer liebensvollen Betreuerin und insbesondere auch von seiner Tochter Claudia, durch manche zusätzliche Gebrechlichkeiten gezeichnet.

 

Mit Willy Jäggi verliert Basel und seine Region eine liebenswürdige, humorvolle und begeisterungsfähige Persönlichkeit, die sich um deren kulturelles Leben in hervorragender Weise verdient gemacht hat.

 

Markus Mohler